Favelas heißen die Armenviertel in der Millionenstadt Rio de Janeiro. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet mehr als 600 solcher Viertel, die Touristen auf jeden Fall nicht alleine betreten sollten, da aufgrund der Armut die Kriminalität sehr hoch ist. Inzwischen werden geführte Touren durch die Favelas angeboten, welche immer noch kontrovers diskutiert werden. Einige finden es unangebracht und diskriminierend, sich die Armut der Menschen so direkt anzuschauen.
Doch die Anbieter wollen nicht den Voyeurismus fördern, sondern die Besucher Rios auch auf diesen Teil der Gesellschaft aufmerksam werden. Die Menschen in den Favelas sollen nicht vergessen, sondern als Teil Rios angesehen werden. Die Favelas befinden sich an den Hügeln rund um die Metropole, das Leben dort wird vor allem von den Drogenbossen bestimmt, doch diese fungieren auch als eine Art Beschützer für die Viertel. Jeder fünfte Einwohner von Rio de Janeiro lebt in einem Armenviertel. Einzige Bedingung für die Teilnahme an einer Favela-Tour ist der Verzicht auf einen Fotoapparat.
Durch die Favela-Touren werden auch die Bewohner finanziell unterstützt, so dass zum Beispiel Schulen oder andere Einrichtungen gebaut werden können. Die Menschen in diesen Armenvierteln gehen zwar arbeiten und verdienen Geld, doch reicht das Gehalt nicht für ein Leben in der Stadt aus. Rocinha ist mit rund 100.000 Bewohnern das größte Armenviertel der Stadt.
Die Favelas entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts nach der Abschaffung der Sklaverei. Die ehemaligen Sklaven erhielten Land an den Hügeln der Metropole und siedelten sich hier an. In den 50-er und 60-er Jahren kamen viele Brasilianer nach Rio, um der großen Dürre im Nordosten des Landes zu entkommen. Sie fanden Arbeit auf Baustellen und siedelten sich ebenfalls in den Favelas der Stadt an. Die Menschen in den Armenvierteln freuen sich auch über den Kontakt zu den Touristen, solange man ihre Privatsphäre respektiert. Auf diese Weise werden auch diese Menschen nicht vergessen und profitieren auch finanziell von den geführten Touren. Die Touren erfolgen mit kleinen Bussen und dauern durchschnittlich rund zwei Stunden.
